Silikone im Shampoo erkennen: welche INCI-Endungen sie verraten
Woran du Silikone in der INCI-Liste erkennst, welche wasserlöslich sind, warum sie den Ansatz beschweren und wie du ohne strohiges Haar auf silikonfrei umsteigst.
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Silikone im Shampoo erkennst du an drei Endungen in der INCI-Liste: -cone, -conol und -siloxane (in deutschen Listen auch -con, -conol, -xan). Dazu kommt die Endung -silanol. Alles, was so endet, ist ein Silikon — ohne Ausnahme und ohne dass du eine App brauchst.
Interessanter als die Frage „drin oder nicht drin" ist allerdings, welches Silikon drin ist und an welcher Stelle es steht. Genau das entscheidet, ob sich am Ansatz mit der Zeit ein Film aufbaut, der dein Haar schneller schwer aussehen lässt. Hier steht, wie du das in dreißig Sekunden von der Verpackung abliest.
Woran erkenne ich Silikone in der INCI-Liste?
An den Endungen -cone, -conol, -siloxane und -silanol. Beispiele sind Dimethicone, Amodimethicone, Dimethiconol, Cyclopentasiloxane und Phenyl Trimethicone. Die INCI-Liste steht auf jeder in der EU verkauften Kosmetik — sie ist nach der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 verpflichtend und immer in derselben internationalen Nomenklatur geschrieben, egal ob du in Berlin, Wien oder Zürich einkaufst.
Die vier Muster in Kurzform:
- -cone / -con: Dimethicone, Amodimethicone, Trimethicone, Cetearyl Methicone.
- -conol: Dimethiconol — häufig in Spülungen und Kuren.
- -siloxane / -xan: Cyclopentasiloxane, Cyclohexasiloxane, Cyclotetrasiloxane.
- -silanol: zum Beispiel Dimethylsilanol Hyaluronate.
Der einzige echte Stolperstein: Manche Silikone tragen zusätzlich eine Vorsilbe wie Bis-Aminopropyl oder Trimethylsilylamodimethicone. Die Endung bleibt aber immer erhalten — such einfach nach den Buchstabenfolgen, nicht nach ganzen Wörtern.
Was bedeutet „wasserlöslich" bei Silikonen wirklich?
In der Praxis meint „wasserlöslich" meist nur „auswaschbar". Klassische Silikonöle lösen sich nicht in Wasser auf, sie lassen sich lediglich mehr oder weniger leicht ausspülen. Echte wasserlösliche Varianten erkennst du an einer PEG- oder PPG-Vorsilbe: PEG-12 Dimethicone, PEG/PPG-18/18 Dimethicone oder das ältere Dimethicone Copolyol. Diese bauen praktisch keinen Film auf.
Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
- Leicht auswaschbar: alles mit PEG- oder PPG-Vorsilbe.
- Flüchtig: die zyklischen Siloxane, etwa Cyclopentasiloxane. Sie verdunsten weitgehend, statt sich abzulagern.
- Haftend: Amodimethicone und die meisten hochviskosen Dimethicone-Typen. Sie sind genau dafür gemacht, mehrere Wäschen zu überstehen.
Zur Einordnung: Die zyklischen Siloxane D4 und D5 dürfen in Abwaschprodukten wie Shampoo in der EU seit dem 31. Januar 2020 nur noch unter 0,1 Prozent enthalten sein. Mit der REACH-Änderung (EU) 2024/1328 kommt eine entsprechende Beschränkung für D4, D5 und D6 in Leave-on-Kosmetik hinzu. Der Grund ist ökologisch — die Stoffe gelten als sehr persistent und bioakkumulierbar —, nicht dermatologisch.
Welche Silikone stecken am häufigsten in Shampoos?
Dimethicone ist mit Abstand das häufigste Silikon in der Kosmetik, gefolgt von Amodimethicone und Dimethiconol. Diese drei erklären den größten Teil dessen, was Menschen als „Silikonproblem" beschreiben. Alle anderen tauchen entweder selten auf oder verhalten sich unproblematisch.
- Dimethicone. Der Standard. Legt einen glättenden Film auf die Faser und reduziert das Aufrauen beim Kämmen. Je höher die Viskosität, desto hartnäckiger.
- Amodimethicone. Positiv geladen und deshalb gezielt darauf ausgelegt, an beschädigten Stellen der Faser zu haften. Das ist der Typ, der mehrere Wäschen übersteht — und derjenige, der am zuverlässigsten Build-up erzeugt.
- Dimethiconol. Meist in Spülungen, Kuren und Glanzsprays. Verhält sich ähnlich haftend wie Dimethicone.
- Cyclopentasiloxane. Flüchtig; dient vor allem als Trägerstoff, damit sich schwerere Silikone leichter verteilen, und verdunstet danach weitgehend.
- PEG-12 Dimethicone. Wasserlöslich, in vielen milden Shampoos als Pflegekomponente. Praktisch kein Build-up.
Für schnell fettende oder feine Haare ist damit vor allem eine Kombination heikel: ein haftendes Silikon in der Kur plus ein mildes, sulfatfreies Shampoo, das diesen Film nicht vollständig löst. Genau daraus entsteht der Kreislauf aus häufigerem Waschen und schnellerem Nachfetten.
Wie viel Silikon steckt in meinem Shampoo?
Das verrät die Reihenfolge. Nach der EU-Kosmetikverordnung werden Inhaltsstoffe in absteigender Menge gelistet, allerdings nur bis zu einem Anteil von einem Prozent; alles darunter darf in beliebiger Reihenfolge stehen. Steht Dimethicone also unter den ersten fünf Einträgen, ist es relevant dosiert. Taucht es hinter Duft- und Konservierungsstoffen auf, liegt der Anteil unter einem Prozent.
Ein praktischer Anhaltspunkt: Der Eintrag „Parfum" markiert in den meisten Listen ungefähr die Ein-Prozent-Grenze. Was danach kommt, ist mengenmäßig fast immer unbedeutend.
Warum fettet der Ansatz durch Silikone schneller?
Silikone regen die Talgproduktion nicht an — sie verändern, wie das Haar auf den vorhandenen Talg reagiert. Haftende Silikone legen einen dünnen, hydrophoben Film auf Faser und Kopfhaut, der sich Wäsche für Wäsche aufbaut, wenn das Shampoo ihn nicht vollständig entfernt. Dieser Film beschwert vor allem feines Haar, lässt den Ansatz schneller zusammenfallen und bindet Staub und Stylingreste.
Das Ergebnis ist ein Haar, das sich am ersten Tag glatt und gepflegt anfühlt und am zweiten deutlich schneller platt und fettig wirkt als früher. Der Effekt ist also real, aber die Ursache ist Beschwerung, nicht mehr Talg. Wer den Ansatz für die eigentliche Baustelle hält, findet die Zusammenhänge ausführlicher in festes Shampoo Umstellungsphase.
Woran merke ich, dass sich Build-up gebildet hat?
Das deutlichste Zeichen ist ein Haar, das nach dem Waschen weniger Volumen hat als vorher, obwohl es sauber ist. Dazu kommen typischerweise drei weitere Beobachtungen: Pflegeprodukte wirken nicht mehr, die Haarfarbe zieht ungleichmäßig, und das Haar braucht spürbar länger zum Trocknen, weil der Film Wasser abweist. Kopfhautseitig äußert es sich als leichte, feine Schuppung, die sich anders anfühlt als trockene Haut.
Ein einfacher Gegentest: Wasche einmal mit einem klärenden Shampoo und vergleiche das Ergebnis nach dem Trocknen. Fühlt sich das Haar plötzlich griffiger und leichter an — vielleicht sogar etwas rau —, war ein Film vorhanden. Ändert sich nichts, liegt das Problem woanders, meist bei der Wasserhärte oder schlicht bei zu viel Produkt.
Sind Silikone im Shampoo schädlich?
Nach heutigem Stand der Bewertungen gelten die in Kosmetik üblichen Silikone als gut verträglich; sie dringen nicht in die Haut ein und wirken nicht hormonell. Die berechtigte Kritik betrifft zwei andere Punkte: die Umwelt, weil die Stoffe schwer abbaubar sind, und den Build-up-Effekt bei feinem oder schnell fettendem Haar. Wer keins dieser beiden Probleme hat, muss Silikone nicht meiden.
Silikonfrei ist damit kein Qualitätsmerkmal an sich. Es ist eine sinnvolle Entscheidung für bestimmte Haartypen und ein ökologisches Argument — mehr nicht. Umgekehrt gilt: Ein Shampoo ohne Silikone kann andere Filmbildner enthalten, etwa Polyquaternium-Verbindungen oder bestimmte Wachse, die sich ähnlich verhalten.
Wie steige ich auf silikonfrei um, ohne dass das Haar strohig wird?
Der Trick ist, den Umstieg nicht auf einmal zu machen und die Längen weiter zu pflegen, während du am Ansatz reinigst. Die ersten Wäschen fühlen sich fast immer ungewohnt an, weil der glättende Film verschwindet und die echte Haarstruktur wieder spürbar wird — das ist kein Schaden, sondern ein Zwischenstand.
- Einmal gründlich reinigen. Eine einzelne Tiefenreinigung vor dem Wechsel nimmt den Großteil der Altlast weg. Öfter ist nicht besser.
- Auch Spülung und Leave-in prüfen. Der häufigste Fehler: silikonfreies Shampoo, aber weiter Amodimethicone in der Kur.
- Die Längen ölen oder pflegen. Ein bis zwei Tropfen Öl in den Spitzen ersetzen den Griff, den das Silikon vorgetäuscht hat.
- Bei hartem Wasser sauer nachspülen. Sonst überlagert ein Kalkfilm das Ergebnis und du hältst ihn für Silikonreste.
- Vier Wochen durchhalten. Entscheidend ist die Zahl der Wäschen, nicht die Zahl der Tage.
Wenn dein Wasser hart ist, lies vorher festes Shampoo bei hartem Wasser — sonst schreibst du dem Silikonverzicht ein Problem zu, das aus der Leitung kommt.
Häufige Fragen zu Silikonen im Shampoo
Enthalten Naturkosmetik-Shampoos Silikone?
Nein. Zertifizierte Naturkosmetik nach Standards wie NATRUE oder COSMOS schließt Silikone aus. „Natürlich" oder „naturinspiriert" auf der Vorderseite ist dagegen kein geschützter Begriff — entscheidend bleibt die INCI-Liste auf der Rückseite.
Erkenne ich Silikone auch am Gefühl?
Teilweise. Ein auffällig glattes, rutschiges Gefühl direkt beim Ausspülen und ein sofort kämmbares nasses Haar sprechen für haftende Silikone. Verlässlich ist das nicht, weil kationische Pflegestoffe einen ähnlichen Griff erzeugen. Die Liste zu lesen dauert kürzer als das Raten.
Muss ich Silikone bei gefärbtem Haar meiden?
Nicht grundsätzlich. Silikone können Farbe sogar schützen, indem sie die Schuppenschicht versiegeln. Vor einer Färbung sind sie allerdings ungünstig, weil ein dicker Film die gleichmäßige Farbaufnahme stören kann — Friseurinnen und Friseure bitten deshalb oft um eine silikonfreie Wäsche im Vorfeld.
Ist festes Shampoo automatisch silikonfrei?
Nein, auch wenn es die Mehrheit ist. Es gibt feste Shampoos mit Dimethicone oder Behenoxy Dimethicone. Die INCI-Liste steht bei festen Produkten meist auf der Kartonverpackung — die vollständige Zusammensetzung unseres Stücks findest du auf der Produktseite zum koreanisch inspirierten festen Shampoo.
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